Bildsaaltour

Auf dieser Seite laden wir Sie zu einem virtuellen Rundgang durch den Bildsaal des Panorama Museums ein. In der Tour präsentiert sich das gesamte Monumentalgemälde von Werner Tübke mit seinen über 3.000 Einzelfiguren. Der Überblick wird zum Einblick, denn das Gemälde lässt sich bis in Einzelheiten vergrößern und bietet somit eine spannende Entdeckungsreise durch das "theatrum mundi", egal ob vor Ihrem Besuch im Panorama Museum oder aber danach.

Kinderquiz

Für unsere kleinen Besucher haben wir an dieser Stelle ein Quiz, das darauf wartet, gelöst zu werden.

Werner Tübke malte das Panoramabild vor etwas mehr als 30 Jahren. Mit dabei war damals auch Jule, die Dackeldame von Werner Tübke. Und weil Herr Tübke Jule so gern hatte, hat er sie auch auf das große Bild gemalt. Jule hat einen Freund im Panoramabild gefunden - Fränkie, eine etwas vorlaute Eule. Und obwohl beide schon ganz lange im Bild "wohnen", müsst Ihr ihnen helfen. Irgendwie fällt es den Beiden schwer, sich zurecht zu finden.

Wenn Ihr noch nicht so gut lesen könnt, bittet Eure Eltern, großen Geschwister oder aber Eure Großeltern, das Quiz mit Euch gemeinsam zu lesen. Hier öffnet Ihr das Riesen-Gemälde in einem neuen Fenster und könnt Euch auf die Suche nach den Antworten machen.

Viel Spaß im Wimmelbild mit über 3.000 Figuren.

Entstehung

1973/74 beschließt die Regierung der DDR, auf dem Schlachtberg bei Bad Frankenhausen eine Gedenkstätte für den Deutschen Bauernkrieg zu errichten. Zunächst ist ein reines Schlachtenpanorama nach dem Vorbild des Moskauer Borodino-Museums geplant, das die Thüringer Aufstände um Thomas Müntzer im Mai 1525 als Großereignis von historischer Tragweite darstellen soll.
Werner Tübke, Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, übernimmt 1976 den Auftrag, das Gemälde auszuführen. Er stellt eine entscheidende Bedingung, nämlich dass ihm freie Hand gelassen wird bei der Konzeption und Ausführung. Statt eines Bildes, das die Geschichte der „frühbürgerlichen Revolution in Deutschland“ illustriert und die Besucherinnen und Besucher im Sinne des Staates erzieht, will er den Fokus auf die Malerei legen. Damit tritt die Ursprungskonzeption in den Hintergrund; Tübke entwirft ein Bild, das sich der Festlegung auf eine einzige Aussage entzieht.

Von 1976 bis 1979 widmet sich Werner Tübke der Recherche. Er liest Fachliteratur über den Deutschen Bauernkrieg und verbindet die intellektuelle mit der künstlerischen Auseinandersetzung. Knapp 150 Zeichnungen, ein Dutzend Lithografien und 10 Gemälde entstehen. In seinen Vorstudien erkundet Werner Tübke den Alltag im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit. Durch die Orientierung auf Gemälde, Holzschnitte und Kupferstiche aus dem 15. und 16. Jahrhundert verleiht er seinen Darstellungen ein hohes Maß an historischer Authentizität.

Zwischen 1979 und 1981 arbeitet Tübke in einem Leipziger Großatelier am Modell des Monumentalbildes im Maßstab 1:10. Die Komposition entsteht während der Arbeit an der Vorzeichnung in Kohle und der Untermalung in Tempera. Die Vollendung des Werks erfolgt in Harzölfarben.
Schon im Mai 1981 besichtigt eine Kommission des Auftragsgebers das noch unvollendete Modell. Aus zwei Gutachten geht die grundlegende Zustimmung zu Tübkes Werk hervor, so dass die Abnahme bestätigt wird.
Bevor die Tafeln der 1:10-Fassung im Juli 1982 den Schlussfirnis erhalten, fertigen Dietrich Wenzel und Helmut Felix Heinrichs eine detaillierte Konturzeichnung von sämtlichen Bildmotiven an. Dazu werden 12 Folienbahnen über das Gemälde gespannt, auf denen mit schwarzem Stift die Konturen nachgezogen werden.
Die Konturabnahme ist die erste Phase der Übertragung auf das Endformat. Nach Fertigstellung wird die Kontur in einem Kontaktabzugsverfahren auf Fotopapier entwickelt und in 900 Einzelquadrate von 13,6 cm Seitenlänge zerlegt.

Eine technische Herausforderung ist die Vorbereitung des Malgrundes für das Panoramabild. Die 14 Meter breite und 123 Meter lange Leinwand muss in einem Stück gewebt werden. Da die Herstellung in der DDR nicht möglich ist, wird das sowjetische Textilkombinat in Sursk verpflichtet, das diese schon 1978 liefert.

Im Mai 1982 wird die Leinwand vom Frankenhäuser Sattlermeister Günter Hohlstamm auf das notwendige Maß zugeschnitten, fadengerade zusammengenäht und an den Längsseiten für die Aufhängung präpariert. Im Anschluss ziehen 54 Männer die 1,1 Tonnen schwere Leinwand in 18 Minuten nach oben und befestigen sie in 15 Metern Höhe mit 576 Metallschellen an einem Stahlring. Der gleichgroße untere Ring wird mit Gewichten beschwert. Die gespannte Leinwand, die sich mit einer Bauchung von 90 cm nach innen in den Panoramasaal wölbt, wird Ende 1982 von Spezialistinnen aus Podolsk (Sowjetunion) mit einer fünffachen Grundierung versehen.
Mit Episkopen wird die Konturzeichnung in Abschnitten in zehnfacher Vergrößerung auf die Leinwand projiziert und von Tübkes Helfern bis Mai 1983 übertragen.

Schon vor der Auftragsübernahme ist Werner Tübke klar, dass er das Rundgemälde wegen seiner schieren Größe unmöglich allein ausführen kann. 1982/83 werden mehrere Absolventen der Hochschule für Grafik und Buchkunst, aber auch Theatermaler und Restauratoren zur Mitarbeit an der Konturenabnahme, der Übertragung auf die Großleinwand und der malerischen Ausführung verpflichtet.
Sie müssen sich Tübkes malerisches Vokabular aneignen, damit sich die von ihnen gemalten Partien später nicht von denen des Meisters unterscheiden lassen, ähnlich wie in einer mittelalterlichen Malerwerkstatt. Auf der Grundlage der Konturzeichnung arbeiten sie Bildausschnitte im Maßstab der Endfassung in Kohle auf Karton auf Formaten von bis zu 2 x 3 Metern durch. Zum Nachweis der geforderten malerischen Qualifikation werden einzelne Motive anschließend auch in Öl auf Leinwand ausgeführt. Doch nicht nur handwerkliche Fertigkeiten bestimmen über die Mitarbeit, sondern auch die Bereitschaft, die eigene Identität als Künstler für Monate oder sogar Jahre aufzugeben und sich Tübke völlig unterzuordnen.
Insgesamt 15 Maler arbeiten im Laufe der Zeit mit Werner Tübke zusammen, erst in Leipzig, dann – ab 1983 – in Bad Frankenhausen. Es sind Dietrich Wenzel, Helmut Felix Heinrichs, Wolfgang Böttcher, Walter Heisig (Eisler), Eberhard Lenk, Volker Pohlenz, Gert Weber, Michael Gawlick, Thomas Holle, Edgar Lange, Paul Eisel, Andreas Katzy, Matthias Steier, Helmut Symmangk und Norfried Pahler.

Am 16. August 1983 setzt Werner Tübke den ersten Pinselstrich auf die mehr als 1.700 Quadratmeter große Leinwand. In den ersten fünf Monaten arbeitet er auf seinem Gerüst alleine am „Jüngsten Gericht“ am oberen Bildrand rechts neben dem Regenbogen. In dieser Zeit sammelt er alle notwendigen Arbeitserfahrungen, die er später seinen „Altgesellen“ vermitteln wird.
Anfang 1984 kommen nach und nach die Künstlerkollegen dazu, die bei der Ausführung des Monumentalgemäldes mitwirken. Auf einem zweiten Gerüst vollbringen sie nach Einteilung durch den Meister ihr „Tagewerk“.
Als Werner Tübke das Monumentalgemälde am 16. Oktober 1987 offiziell mit der Schlusssignatur beendet, liegt mehr als ein Jahrzehnt hinter ihm, in dem er aus der Wirklichkeit der DDR „ausgetreten“ ist. Kurz nachdem das Panorama Museum am 14. September 1989 nach einer zweiten Bauphase eröffnet wird, steht der Staat, der das Rundgemälde in Auftrag gegeben hat, vor dem Aus; das Panorama aber steht ganz am Anfang.

Werner Tübke

Werner Tübke war einer der bedeutendsten, aber auch umstrittensten Maler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am 30. Juli 1929 in Schönebeck an der Elbe geboren, wurde seine ungewöhnliche künstlerische Begabung schon während der Schulzeit erkannt. Nach der Inhaftierung durch sowjetische Militärorgane 1946 machte er eine Malerlehre und beendete seine Schulausbildung 1948 mit dem Abitur. Noch im gleichen Jahr begann er das Studium an der Hochschule für Graphik und Buchkunst (HGB) in Leipzig (u.a. bei Elisabeth Voigt und Ernst Hassebrauk). Anfang 1950 wechselte er zum Studium der Kunsterziehung und Psychologie an die Universität Greifswald.

Nach dem Staatsexamen kehrte Werner Tübke 1952 nach Leipzig zurück, wo er für zwei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralhaus für Laienkunst tätig war. Für kurze Zeit arbeitete er als freiberuflicher Maler, Zeichner und Buchillustrator, im September 1955 wurde er Assistent, später Oberassistent im Grundlagenstudium an der HGB. 1957 als unbequemer Querdenker entlassen, arbeitete er bis zu seiner Wiedereinstellung im Dezember 1962 fast fünf Jahre lang freischaffend. Im September 1964 erfolgte seine Berufung zum Dozenten, nach neuerlichen Konflikten um Tübkes Standpunkt 1972 die Ernennung zum Ordentlichen Professor mit Übernahme des Lehrstuhls für Malerei und 1973 die Einsetzung als Rektor der HGB.

Werner Tübkes Werk umfasst ca. 6000 Zeichnungen, 500 Aquarelle, 350 Gemälde und mehr als 200 Druckgrafiken. Seit den fünfziger Jahren entstanden namhafte Gemälde wie die „Fünf Kontinente“ (1958), die „Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung“ (1961), „Lebenserinnerungen des Dr. jur. Schulze“ (1965-67), „Arbeiterklasse und Intelligenz“ (1970-73), „Der Mensch - Maß aller Dinge“ (1975), aber auch Strandszenen (1967-71) und – im Zusammenhang mit seinen Reisen – Bilder mit sowjetischen und italienischen Motiven (ab 1961 respektive 1971). Von 1976 bis 1987 beschäftigte sich Werner Tübke mit der „Frühbürgerlichen Revolution in Deutschland“, dem Monumentalbild in Bad Frankenhausen. 1990 bis 1993 schuf er Bühnenentwürfe zum „Freischütz“ und 1993 bis 1996 den achtteiligen Flügelaltar für St. Salvatoris zu Clausthal-Zellerfeld. Werner Tübke starb am 27. Mai 2004 in Leipzig.

Bis heute sind mehr als 100 Einzelausstellungen des Künstlers in Deutschland, Österreich, Schweden, Italien, Russland und Frankreich, in den Niederlanden und der USA gezeigt worden. Darüber hinaus war Tübke an unzähligen Gruppenausstellung in Europa, Australien und der USA beteiligt. Seine Werke befinden sich in wichtigen Museen und Sammlungen in Deutschland und darüber hinaus.

Seit 2006 gibt es die Tübke-Stiftung, die in Werner Tübkes Atelier im Wohnhaus in der Springerstraße 5 in Leipzig einen einmaligen Einblick in sein Leben und Wirken bietet: www.tuebke-stiftung-leipzig.de