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Die Entstehtung

1973/74 beschließt die Regierung der DDR, auf dem Schlachtberg bei Bad Frankenhausen eine Gedenkstätte für den Deutschen Bauernkrieg zu errichten. Zunächst ist ein reines Schlachtenpanorama nach dem Vorbild des Moskauer Borodino-Museums geplant, das die Thüringer Aufstände um Thomas Müntzer im Mai 1525 als Großereignis von historischer Tragweite darstellen soll.

Werner Tübke, Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, übernimmt 1976 den Auftrag, das Gemälde auszuführen. Er stellt eine entscheidende Bedingung, nämlich dass ihm freie Hand gelassen wird bei der Konzeption und Ausführung. Statt eines Bildes, das die Geschichte der „frühbürgerlichen Revolution in Deutschland“ illustriert und die Besucherinnen und Besucher im Sinne des Staates erzieht, will er den Fokus auf die Malerei legen. Damit tritt die Ursprungskonzeption in den Hintergrund; Tübke entwirft ein Bild, das sich der Festlegung auf eine einzige Aussage entzieht. 

Von 1976 bis 1979 widmet sich Werner Tübke der Recherche. Er liest Fachliteratur über den Deutschen Bauernkrieg und verbindet die intellektuelle mit der künstlerischen Auseinandersetzung. Knapp 150 Zeichnungen, ein Dutzend Lithografien und 10 Gemälde entstehen. In seinen Vorstudien erkundet Werner Tübke den Alltag im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit. Durch die Orientierung auf Gemälde, Holzschnitte und Kupferstiche aus dem 15. und 16. Jahrhundert verleiht er seinen Darstellungen ein hohes Maß an historischer Authentizität. 

Zwischen 1979 und 1981 arbeitet Tübke in einem Leipziger Großatelier am Modell des Monumentalbildes im Maßstab 1:10. Die Komposition entsteht während der Arbeit an der Vorzeichnung in Kohle und der Untermalung in Tempera. Die Vollendung des Werks erfolgt in Harzölfarben.

Schon im Mai 1981 besichtigt eine Kommission des Auftragsgebers das noch unvollendete Modell. Aus zwei Gutachten geht die grundlegende Zustimmung zu Tübkes Werk hervor, so dass die Abnahme bestätigt wird.

Bevor die Tafeln der 1:10-Fassung im Juli 1982 den Schlussfirnis erhalten, fertigen Dietrich Wenzel und Helmut Felix Heinrichs eine detaillierte Konturzeichnung von sämtlichen Bildmotiven an. Dazu werden 12 Folienbahnen über das Gemälde gespannt, auf denen mit schwarzem Stift die Konturen nachgezogen werden.

Die Konturabnahme ist die erste Phase der Übertragung auf das Endformat. Nach Fertigstellung wird die Kontur in einem Kontaktabzugsverfahren auf Fotopapier entwickelt und in 900 Einzelquadrate von 13,6 cm Seitenlänge zerlegt.

Die Konturabnahme ist die erste Phase der Übertragung auf das Endformat. Nach Fertigstellung wird die Kontur in einem Kontaktabzugsverfahren auf Fotopapier entwickelt und in 900 Einzelquadrate von 13,6 cm Seitenlänge zerlegt. 

Eine technische Herausforderung ist die Vorbereitung des Malgrundes für das Panoramabild. Die 14 Meter breite und 123 Meter lange Leinwand muss in einem Stück gewebt werden. Da die Herstellung in der DDR nicht möglich ist, wird das sowjetische Textilkombinat in Sursk verpflichtet, das diese schon 1978 liefert.

Im Mai 1982 wird die Leinwand vom Frankenhäuser Sattlermeister Günter Hohlstamm auf das notwendige Maß zugeschnitten, fadengerade zusammengenäht und an den Längsseiten für die Aufhängung präpariert. Im Anschluss ziehen 54 Männer die 1,1 Tonnen schwere Leinwand in 18 Minuten nach oben und befestigen sie in 15 Metern Höhe mit 576 Metallschellen an einem Stahlring. Der gleichgroße untere Ring wird mit Gewichten beschwert. Die gespannte Leinwand, die sich mit einer Bauchung von 90 cm nach innen in den Panoramasaal wölbt, wird Ende 1982 von Spezialistinnen aus Podolsk (Sowjetunion) mit einer fünffachen Grundierung versehen.

Mit Episkopen wird die Konturzeichnung in Abschnitten in zehnfacher Vergrößerung auf die Leinwand projiziert und von Tübkes Helfern bis Mai 1983 übertragen.

Schon vor der Auftragsübernahme ist Werner Tübke klar, dass er das Rundgemälde wegen seiner schieren Größe unmöglich allein ausführen kann. 1982/83 werden mehrere Absolventen der Hochschule für Grafik und Buchkunst, aber auch Theatermaler und Restauratoren zur Mitarbeit an der Konturenabnahme, der Übertragung auf die Großleinwand und der malerischen Ausführung verpflichtet.

Sie müssen sich Tübkes malerisches Vokabular aneignen, damit sich die von ihnen gemalten Partien später nicht von denen des Meisters unterscheiden lassen, ähnlich wie in einer mittelalterlichen Malerwerkstatt. Auf der Grundlage der Konturzeichnung arbeiten sie Bildausschnitte im Maßstab der Endfassung in Kohle auf Karton auf Formaten von bis zu 2 x 3 Metern durch. Zum Nachweis der geforderten malerischen Qualifikation werden einzelne Motive anschließend auch in Öl auf Leinwand ausgeführt. Doch nicht nur handwerkliche Fertigkeiten bestimmen über die Mitarbeit, sondern auch die Bereitschaft, die eigene Identität als Künstler für Monate oder sogar Jahre aufzugeben und sich Tübke völlig unterzuordnen.

Insgesamt 15 Maler arbeiten im Laufe der Zeit mit Werner Tübke zusammen, erst in Leipzig, dann – ab 1983 – in Bad Frankenhausen. Es sind Dietrich Wenzel, Helmut Felix Heinrichs, Wolfgang Böttcher, Walter Heisig (Eisler), Eberhard Lenk, Volker Pohlenz, Gert Weber, Michael Gawlick, Thomas Holle, Edgar Lange, Paul Eisel, Andreas Katzy, Matthias Steier, Helmut Symmangk und Norfried Pahler.

Am 16. August 1983 setzt Werner Tübke den ersten Pinselstrich auf die mehr als 1.700 Quadratmeter große Leinwand. In den ersten fünf Monaten arbeitet Tübke auf seinem Gerüst alleine am „Jüngsten Gericht“ am oberen Bildrand rechts neben dem Regenbogen. In dieser Zeit sammelt er alle notwendigen Arbeitserfahrungen, die er später seinen „Altgesellen“ vermitteln wird.

Anfang 1984 kommen nach und nach die Künstlerkollegen dazu, die bei der Ausführung des Monumentalgemäldes mitwirken. Auf einem zweiten Gerüst vollbringen sie nach Einteilung durch den Meister ihr „Tagewerk“.

Als Werner Tübke das Monumentalgemälde am 16. Oktober 1987 offiziell mit der Schlusssignatur beendet, liegt mehr als ein Jahrzehnt hinter ihm, in dem er aus der Wirklichkeit der DDR „ausgetreten“ ist. Kurz nachdem das Panorama Museum am 14. September 1989 nach einer zweiten Bauphase eröffnet wird, steht der Staat, der das Rundgemälde in Auftrag gegeben hat, vor dem Aus; das Panorama aber steht ganz am Anfang.