Werkstatt

Von Anbeginn war Werner Tübke klar, dass die Ausführung der Endfassung bei einer solchen Dimension des Vorhabens unmöglich von ihm allein zu bewältigen war. Unter Leitung der beiden Akademiekollegen Gerhard Eichhorn und Heinz Wagner wurde 1982/83 eine Gruppe meist jüngerer Maler, vielfach Absolventen der Hochschule für Graphik und Buchkunst, dazu vereinzelt auch Theatermaler und Restauratoren, zur Mitarbeit an der Übertragung der Kontur auf die Großleinwand und der Endausführung des Monumentalwerkes verpflichtet, nachdem sich die Gewinnung russischer Gehilfen als unmöglich erwies. Primäre Voraussetzung der Mitarbeit war der Nachweis eines entsprechenden künstlerischen Leistungsvermögens. Zugleich galt es, das Formvokabular des Bildes so schnell und perfekt als möglich zu erlernen, damit nach dem Prinzip der Bauhütte später kein Unterschied mehr auszumachen war zwischen den Partien der Mitarbeiter und denen des Meisters. Auf der Grundlage der Linearzeichnung, die Dietrich Wenzel und Helmut F. Heinrichs von der 1:10-Fassung angefertigt hatten, waren Ausschnitte des Bildes bis zur Originalgröße in Formaten bis zu 2 x 3 Meter zunächst in Kohle auf Karton plastisch durchzuarbeiten und zum Nachweis der geforderten malerischen Qualifikation diese und andere Motive anschließend auch in Öl auf Leinwand auszuführen.

Insgesamt 15 Maler haben im Laufe der Zeit zusammen mit Werner Tübke in der Werkstatt gearbeitet, erst in Leipzig, dann – seit Anfang 1983 – auch hier vor Ort. Die ersten waren Dietrich Wenzel und Helmut F. Heinrichs (ab April 1982), gefolgt im September des Jahres von Wolfgang Böttcher, Walter Heisig (Eisler), Eberhard Lenk und Volker Pohlenz, zu denen ab November Gert Weber, Michael Gawlick, Thomas Holle und Edgar Lange hinzukamen. Paul Eisel, Andreas Katzy, Matthias Steier, Norfried Pahler und Helmut Symmangk bildeten im Herbst 1983 den Abschluss. Tatsächlich an der Endausführung mitgewirkt haben jedoch nur acht der Werkstattmitarbeiter: Paul Eisel, Helmut F. Heinrichs, Walter Heisig (alias Eisler), Andreas Katzy, Eberhard Lenk, Volker Pohlenz, Matthias Steier und Gert Weber.

Walter Heisig und Gert Weber schieden bereits Ende 1984 wieder aus, Paul Eisel zu Beginn 1985. Fälschlich werden daher oft nur die verbleibenden fünf Maler als Mitarbeiter genannt: Volker Pohlenz, Mathias Steier und Andreas Katzy beendeten ihre Arbeit im Oktober 1985, Helmut F. Heinrichs folgte wegen eines Augenleidens im April 1986. Nur Eberhard Lenk, der sich mit einem Selbstbildnis (als Mönch unter dem Galgen in der Felsenlandschaft) in das Bild eingefügt hat, blieb bis zum Abschluss der Arbeiten im Bildsaal mit an der Leinwand. Sein Part endete am 9. September 1987, der von Werner Tübke zwei Tage später, exakt am 11. September 1987.