Triptychon 1977

Werner Tübke
Triptychon, 1977
(Im Ring - Feldhauptmann - Plünderung eines Dorfes)
Mischtechnik auf Leinwand auf Holz, 60 x 104 cm
Sammlung Panorama Museum





Das Triptychon ist eine Form des Retabels und basiert auf einer hierarchischen Bildformel zur Betonung der Mitte, die hier einen berittenen Feldhauptmann mit erhobenem Arm zeigt, flankiert von einer Plünderungsszene (rechts) und der Überwältigung eines Ritters „im Ring“ (links). Das Werk ist ein Lehrbeispiel bildnerischer Gestaltung. Während die Mitte den Einzelnen vor der Mauer denkmalgleich unter der Mittagssonne erhöht, sind die Figuren auf den Seitentafeln unter dem rötlichen Himmel dicht gedrängt und bis auf den Reiter links und – zurückhaltender noch – den Befehlshaber rechts kaum exponiert. Allein der Feldhauptmann ragt deutlich über die horizontale Begrenzung des Firmaments. Zugleich folgt die Kontur der Mauer, in der eine Öffnung den Blick zum Horizont freigibt, der des Pferdes. Figur-Grund-Beziehungen werden ebenso erkundet wie Ordnungssysteme und Möglichkeiten gegenseitiger Aussagesteigerung. Doch das Prinzip des Mehrtafelbildes, in der Vergangenheit vom Künstler vielfach mit Erfolg genutzt, wird diesmal vom Künstler nicht weitergeführt.

Mehrere Studienzeichnungen und Skizzen belegen, wie intensiv Werner Tübke an dem Werk gearbeitet hat. Das Blatt mit dem berittenen Feldhauptmann gehört im Œeuvre des Künstlers zu den schönsten seiner Art. Mit lockeren Andeutungen, Schraffuren und Akzentuierungen ist das Wesen des Motivs erfasst. In der Sicherheit und Virtuosität der Formulierung erweist sich der Maler als ein vollendeter Meister der Zeichnung, vergleichbar nur den Besten des Metiers. Andere, eher skizzenhafte Zeichnungen geben Einblick in die „Werkstatt“ des Künstlers und sein Vermögen zur Entwicklung immer neuer, figurenreicher Kompositionen. Bis auf eine das Gemälde vorbereitende Kompositionsskizze befinden sich alle zugehörigen Zeichnungen in der Sammlung des Panorama Museums.