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Motivanreicherung

Werner Tübke
Wandabwicklung "Selbstbildnis, Frauen verhöhnen Pfaffen", 1977
Zeichnung
48,5 x 66,5 cm
VG Bild-Kunst Bonn, 2013

 

 

 

 

Elf Jahre hat die Ausführung des Auftrages in Anspruch genommen. Zunächst musste Werner Tübke sich sachkundig machen, und zwar weit über eine gute Allgemeinbildung hinaus. So hat er nicht nur Historiker konsultiert, sondern auch Schriftquellen und Fachliteratur studiert, um „historisch ganz exakt in die Tiefe zu gehen“, wie er es formulierte. Die ganze Zeit wollte er aufarbeiten, die Gesamtheit der geschichtlichen Prozesse jener Umbruchsphase Anfang des 16. Jahrhunderts vom Thüringer Raum bis hinunter in die Schweiz. Es ging um das Wesen der Ereignisse und ihren adäquaten bildhaften Ausdruck. Dabei hatte er – ständig auf der Suche nach Bildern, nach Ideen, nach Einfällen – sofort auch künstlerisch zu arbeiten begonnen, und zwar „erst behutsam sachklärend, dann zusammenhängend fabulierend“, wie ein Vergleich der noch stark an den Quellen orientierten Bleistiftskizzen einzelner Bauern von 1976 mit den friesartig sich zusammenfügenden Rötel- und Grafitzeichnungen des Jahres 1977 belegt, in denen verschiedenste Themen und Motive schon zu figurenreichen Tableaus von komplexer Simultanstruktur verschmolzen sind. Später bekannte der Maler, dass ihm diese Anfangsphase der „Stofferkundung“ und „Motivanreicherung“, die von Mitte 1976 bis zur Jahreswende 1978/79 währte, im Nachhinein selbst rätselhaft erschien: „Es war, im Gegensatz zu meiner sonstigen kunstgeschichtlichen Arbeit, nie wissenschaftliche Arbeit im eigentlichen Sinn, vielmehr träumte ich mich durch die Texte durch, nahm vieles nur ins Kurzzeitgedächtnis, zeichnete Figurengruppen, vergaß streckenweise völlig das Ziel. Fragmente fanden später an geeigneter Stelle ihren Platz.“

10 Gemälde, knapp 150 Zeichnungen und ein Dutzend Lithografien entstanden in diesen reichlich zweieinhalb Jahren, von denen sich auch eine ganze Reihe repräsentativer Zeichnungen und Lithografien in der Sammlung des Panorama Museums befinden.

Der Hauptteil der zeichnerischen Vorarbeit datiert in die Jahre 1976 und 1977. Zeichnungen zum Thema von 1978 sind bereits wesentlich seltener und haben eher den Charakter von Einzel- oder Detailstudien.