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Künstlerische Konzeption

Werner Tübke
Porträt Melchior Rinck, 1976
Kohle auf braunem Papier
50,5 x 35,5 cm
Sammlung Panorama Museum bad Frankenhausen
VG Bild-Kunst Bonn, 2013

 





 

 

 

 

 

 

Unmittelbar nach Vollendung des Gemäldes „Vorfassung mit Kogge“ reichte Werner Tübke noch im November 1978 sein Projekt beim Auftraggeber zur Bestätigung ein. Neben Fotos ausgewählter Vorarbeiten (9 Gemälde und 18 Zeichnungen) umfasste die Vorlage auch einige wesentliche Anmerkungen zur künstlerischen Gestaltung („künstlerische Konzeption“), die – wenn auch nur ganz grob – Aufschluss geben über seine Absichten: „Neben und mitten in konkreten Handlungsabläufen werden Zitate, Gleichnisse, Symbole gefunden und erfunden werden müssen, die denselben Vorgang z. T. noch einmal, bereichert auf merkwürdige Weise durch Assoziationswerte, die die komplizierten geistigen Vorgänge dieser Zeit, die Fülle der Wandlungsprozesse und Gleichzeitigkeiten, ahnbar machen. Die Malerei wird nicht durch simulierte Rahmungen untergliedert, eine Szene greift in die andere über. Insgesamt entsteht ein Simultanbild, innerhalb dessen sehr anschauliche Handlungsvorgänge.“

Und: „Die Aufgabe ist nur zu lösen durch einen bedingungslosen figurativen Realismus.“ Ein aufschlussreiches Bekenntnis, dass im krassen Widerspruch steht zu seinem Selbstverständnis als Manierist, dass er spätestens ab Mitte der 1980er Jahre mit Nachdruck für sich reklamiert hat.

Damit war der erste Punkt des Vertrages mit dem Kulturministerium vom 1. Januar 1976 zur Schaffung eines monumentalen Wandbildes für das Panorama auf dem Schlachtberg bei Bad Frankenhausen erfüllt. Die Bestätigung der „künstlerischen Konzeption“ durch den Minister für Kultur der DDR als Auftraggeber erfolgte am 16. Mai 1979, rund vier Wochen nachdem der Künstler mit der Arbeit an der 1:10-Fassung begonnen hatte.

Probleme sah Werner Tübke schon zu diesem Zeitpunkt für die Ausführung der Endfassung. Er brauchte qualifizierte „Altgesellen“, die ihn bei der Arbeit unterstützen sollten, fürchtete jedoch, im eigenen Land keine finden zu können, die mehr als nur handwerkliche Mitarbeiter wären. Denn: „Die Ausführung kann keine einfache Wiederholung der 1:10-Fassung im größeren Format sein. Ansonsten dürfte ich mich während der Zeit der Ausführung jahrelang nicht entwickeln. Veränderungen, partiell bis hin zum Stilistischen, sind von vornherein eingeplant und notwendig.“