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Konturübertragung

Die Anfertigung einer Konturzeichnung der 1:10-Fassung durch Dietrich Wenzel und Helmut F. Heinrichs (12. April bis 8. Juni 1982) und die Herstellung entsprechender Kontaktabzüge auf Fotopapier, zerlegt in genau 900 Einzelquadrate mit einer Kantenlänge von 13,6 cm, bildeten die Grundlagen zur Übertragung des Gemäldes auf das Endformat. Zur gleichen Zeit (April / Mai 1982) war die schon 1978 angelieferte Riesenleinwand fadengerade zusammengenäht und an einem Stahlring von knapp 40 Metern Durchmesser im Bildsaal aufgehängt worden. Nachdem im November / Dezember 1982 russische Spezialisten die Leinwand mit einer in ihrer Zusammensetzung geheim gehaltenen Emulsion grundiert hatten, konnte die eigentliche Übertragungsarbeit beginnen.

Dazu war es zunächst notwendig, die Leinwand exakt zu vermessen und in ein Gitternetz von gleichfalls 900 Quadraten zu teilen, um eine passgenaue Projektion der Konturzeichnung zu gewährleisten. Die vertikalen Gitterlinien wurden nach traditioneller Art mit einem Lot, das mit Kohlestaub eingerieben war, geschnürt, die Horizontalen anschließend mit Wasserwaage, Winkel und Richtscheit ausgemessen und hinzugefügt. Dank der Präzision dieser Maßarbeit, die unter Leitung von Heinz Wagner von Helmut F. Heinrichs, Gert Weber, Dietrich Wenzel und Edgar Lange Anfang bis Mitte Februar 1983 geleistet wurde, konnte der nächste Schritt ohne Verzug in Angriff genommen werden.

Mit Episkopen wurden die 900 Einzelquadrate der Konturzeichnung nun vom Malgerüst aus auf die Leinwandrotunde projiziert und mit schnell trocknender, umbrafarbener Ei-Tempera „sklavisch“ genau nachgemalt. Die Arbeit erfolgte notwendig „in Etagen“, wobei zuerst jeder zweite Horizontalstreifen und der untere, ohne Gerüst zu bewältigende ausgeführt wurden, dann in einer zweiten Runde die restlichen vier, die noch fehlten. Die Schwierigkeit bestand dabei hauptsächlich darin, dass die riesige Leinwand, durch eingenähte Ringe oben und unten fixiert, keine senkrechte Zylinderwand ergab, sondern auf Grund ihrer inneren Spannung wie eine Fischreuse in halber Höhe eine Bauch nach innen machte. Zur maßgerechten Einpassung der Konturquadrate mussten Projektionswinkel und Abstand zur Leinwand daher von Etage zu Etage ständig neu bestimmt und eingestellt werden.

Die Übertragung der Kontur selbst erfolgte wiederum unter Leitung von Heinz Wagner von Mitte Februar bis Anfang Mai 1983 durch eine Gruppe von insgesamt neun Mitarbeitern: Wolfgang Böttcher, Michael Gawlick, Helmut Felix Heinrichs, Thomas Holle, Edgar Lange, Eberhard Lenk, Volker Pohlenz, Gert Weber und Dietrich Wenzel.

Die Konturzeichnung auf der Leinwand bot letztlich nicht mehr als eine grobe Orientierung, wo welches Motiv platziert war. Genau darin jedoch bestand ihr Wert für die Endausführung des Werkes, vergleichbar Sinopien oder auch Kartons in der Monumentalmalerei.