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Die Vorfassung

Von April 1979 bis November 1981 schuf Werner Tübke die endgültige Entwurfsfassung des Monumentalwerkes im Maßstab 1:10, ausgeführt in Mischtechnik auf Holz in drei Schritten:

1. Vorzeichnung in Kohle auf mit Gips und Zinkweiß vorgeleimten und mit einer hellen, ockertonigen Imprimitur versehenen Holzfaserplatten;
2. farbig angereicherte Hell-Dunkel-Untermalung mit magerer Ei-Tempera;
3. Vollendung mit Lasuren, Halbpasten und Pasten in Harzöl.

 

Die eigentliche Erfindungsphase bestand dabei in der Vorzeichnung und Untermalung, die vom 14. April 1979 bis zum 14. Januar 1981 gedauert hat. Der Künstler selbst sprach von Regiearbeit aus der Wand heraus „mit dem Ziel höchster magischer Wirkung auf den Betrachter“, wobei es notwendig gewesen sei, die Schwebe zu halten zwischen abstraktem Denken und sinnlicher Qualität in der Form: „Die Struktur der Wandabwicklung entstand: Prinzip der Streuung, der Ballung, der Häufung, der Reihung, Sperr- und Klemmformen, Beziehungen von negativen Räumen und Flächen, durchgefühlt dem Goldenen Schnitt gemäß, ruhige Teilabläufe synkopiert, gegenstandsübergeordnete Formfiguren durch Licht- und Lokalformen usw.“ Hinzu kam eine explosive Fülle bis Überfülle von Einzelszenen und handelnden Figuren, die das Bildprogramm konstituieren. Dabei gab es im Vorfeld keinen auch nur andeutungsweise gültigen Entwurf zur Komposition des Ganzen. Der Maler sprach vom „Abenteuer der Bilderfindung“, das er sich nicht zerstören wollte, und bekannte: „Unter ständiger Berücksichtigung historischer Tatbestände, Zusammenhänge und grundsätzlicher Gliederung überließ ich mich knapp drei Jahre lang Visionen des Augenblicks, ich hatte ja Geschichtseindrücke die Menge gespeichert und durfte, musste ganz persönlich arbeiten. Die Zwölfmeterdreißig [1:10-Fassung] wurden Tagebuch. Die Arbeit ging mühelos vonstatten.“ Mit der Vorzeichnung und Untermalung war die eigentliche Erfindungsphase abgeschlossen. Die Vollendung des Werkes mit Lasuren und Halbpasten in Harzöl erfolgte vom 24. April bis 19. November 1981.

Von der Vorzeichnung zur Untermalung gab es zwar noch einige Änderungen, der einmal fast wie in Trance skizzenhaft hingeworfene Motivbestand blieb im Wesentlichen aber erhalten. Das Bildprogramm war Ende 1981 damit weitgehend festgelegt.

Am 20. Mai 1981 wurde der noch unvollendete Entwurf auf der Grundlage zweier Gutachten vom Auftraggeber bestätigt. Lediglich Martin Luther schien den Gutachtern demnach „ein wenig unterbewertet“, was dazu geführt hat, bei der Vollendung der 1:10-Fassung in Harzöl am Brunnen mit den Geistesgrößen der Zeit unterhalb der Schlacht anstelle von Willibald Pirckheimer, der im Hintergrund zwischen Dürer und Cranach d. Ä. gestanden hatte, Martin Luther zu setzen. Sonstige Änderungen gab es keine.

Die nach der endgültigen Zählung IV. Tafel mit der Weltkugel war im Übrigen die erste vom Künstler ausgeführte, Nummer V die zweite usw. Folgt man der Ordnung der Tafeln, wie sie ursprünglich entworfen worden sind, so entwickelt sich das Bildprogramm von den Ursachen der Reformation und der ihr entgegengesetzten Prophetie des apokalyptischen Strafgerichtes über die Schilderung der allgemeinen Krise in Kirche und Gesellschaft bis zur Schlacht der Bauern, bis zu Thomas Müntzer und dem Bauernkrieg, was ganz dem geschichtstheoretischen Konzept von der „Frühbürgerlichen Revolution“ und damit dem Auftrag entspricht. Der Schlacht aber folgt das Jüngste Gericht. Thomas Müntzer und der Bauernkrieg werden damit entschieden in einen anderen, einen endzeitlichen Heilsrahmen gerückt. In der Rotunde dann verliert sich diese Ordnung vollends, weshalb der Künstler schließlich dafür gesorgt hat, dass die 1:10-Fassung nicht mehr als durchgehender Bildfries (beginnend mit der Wintertafel und endend mit den Felsklippen), sondern in fünf einzeln gerahmten Teilen präsentiert wird, was in der Störung der Überschau ganz der nur in Ausschnitten möglichen Betrachtung der Endfassung des Frankenhäuser Panoramas entspricht.