Die Endfassung

Sein letztes Großformat aus der Zwischenphase des „Hochmalens“ widmete Werner Tübke dem „Jüngsten Gericht“, jenem Motiv, mit dem er nach sieben Jahren der Vorbereitung am 16. August 1983 die Malerei im Frankenhäuser Panorama-Saal begann. Das „Jüngste Gericht“ eignete sich besonders für den Beginn der Ausführungsarbeit, da die Malerei hier weitgehend auf Hell-Dunkel-Werte beschränkt ist, was eine Konzentration auf die räumlich-plastische Formulierung erlaubte, die zu bestimmen jetzt erst wirklich möglich wurde, denn wie sich zeigte, bedurfte die Malerei auf Grund der gegebenen Betrachterdistanz eines stabilisierenden Formengerüstes wie einer genau bemessenen Kontraststeigerung bis hin zum Farbauftrag, um auch auf große Distanz noch entsprechend zur Wirkung zu gelangen.

Bis Ende Januar 1984 arbeitete Werner Tübke zunächst allein an der Leinwand, um eine rund 150 Quadratmeter große Fläche als Vorlage für seine Werkstattmitarbeiter fertigzustellen, die nun schrittweise zur Unterstützung hinzukommen sollten. Die beiden ersten waren Helmut F. Heinrichs und Eberhard Lenk, gefolgt von Walter Heisig (alias Eisler), Gerd Weber, Volker Pohlenz und Andreas Katzy. Paul Eisel und Matthias Steier komplettierten noch im gleichen Jahr die Gruppe, die sich jedoch bald schon wieder reduzieren sollte: Gert Weber und Walter Heisig schieden bereits im Herbst 1984, Paul Eisel spätestens Anfang 1985, Volker Pohlenz, Andreas Katzy und Matthias Steier Ende 1985 aus. Anfang 1986 musste gesundheitsbedingt schließlich auch Helmut F. Heinrichs aufgeben, so dass nur Eberhard Lenk bis zum Abschluss der Malerei bei Werner Tübke verblieb. Eberhard Lenk beendete seinen Part am 9. September 1987, Werner Tübke am 11. September 1987.

Anders als noch in den Werkstudien der Mitarbeiter sind deren Passagen in der Endfassung von denen Tübkes nicht mehr zu unterscheiden. Gerade weil Tübke bewusst war, dass seine Mitarbeiter „durch das geheimnisvolle indirekte Einbringen ihrer Persönlichkeit die Malerei bereichern“, hat er streng darauf geachtet, größte Einheitlichkeit zu wahren. Nicht nur geistig, sondern in seiner künstlerischen Gesamtheit ist das Gemälde mithin ein Werk des Meisters, dessen Realisierung von der Auftragsübernahme bis zur Vollendung und Übergabe an den Auftraggeber (16. Oktober 1987) letztlich mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch genommen hat.