Der Auftrag

Das Bad Frankenhäuser Monumentalwerk von Werner Tübke (1929–2004), geschaffen von 1976 bis 1987, gehört zu den größten und bedeutendsten Auftragsprojekten der jüngeren Kunstgeschichte. Ausgangspunkt war ein politisch überaus ambitionierter, auf historische Selbstverständigung angelegter und mit Ideologie durchsetzter Staatsauftrag der DDR, das Ergebnis indes ein ganz eigenes Kunstwerk der Superlative von unerhörter Individualität und Einzigartigkeit.

So wurde Anfang der 1970er Jahre der Beschluss gefasst, auf historischem Boden oberhalb von Bad Frankenhausen eine Gedenkstätte zu errichten, die dem Thüringer Aufstand als dem Höhepunkt des Deutschen Bauernkrieges und Thomas Müntzer als dessen zentraler Gestalt gewidmet sein sollte. Ein erbepolitisches Revolutionspanorama sollte es sein, geeignet zu Bewusstseinsbildung und patriotischer Erziehung, vorgeführt als realistische Historienmalerei im Sinne der Tradition.

 

 

Die 1976 erfolgte Auftragsvergabe an Werner Tübke, Akademieprofessor und damals Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, einen der Hauptmeister der „Leipziger Schule“ und zugleich international bekannten und erfolgreichen Maler, bedeutete jedoch eine grundsätzliche Abkehr von diesem Gedanken und eine für das Vorhaben richtungweisende Entscheidung – weg von der Idee einer geschichtlichen Großillustration propagandistischen Inhalts, hin zu einem wahrhaften Kunstwerk, hin zu Malerei, zu ganz persönlicher Malerei von Werner Tübke, zu einem Monumentalbild im Geiste der Alten, zu einem Weltbild von epochalem Wert.

Allein die Größe der bemalten Fläche ist mit 14 Metern Höhe und rund 120 Metern Umlauf in der neueren Kunst ohne Beispiel. Hinzu kommt der Anspruch, ein ganzes Zeitalter möglichst glaubhaft und überzeugend zur Anschauung zu bringen, denn von Anbeginn strebte Werner Tübke nach einer komplexen, auch Widersprüche und Gegensätze thematisierenden Sicht auf die Gesamtheit der Umwälzungsprozesse an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, die sich mit Humanismus, Reformation und Bauernkrieg verbinden und im Geschichtsverständnis des Auftraggebers als „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“ begriffen wurden. Mit einem Höchstmaß an Eigenverantwortung wollte der Künstler nichts weniger als „die metaphorische Interpretation einer ganzen Epoche“ versuchen – der sozialökonomischen Bedingungen wie der geistigen Vorstellungswelt jener Zeit überhaupt.

Zur Entwicklung der Konzeption des Panoramas zu Frankenhausen
(Rede von Gerd Lindner auf der Panorama-Konferenz in Luzern, 1999)