Woldemar Winkler – Schattenströme

08.07.2017 bis 22.10.2017

Mehr als achtzig Jahre währte das künstlerische Wirken von Woldemar Winkler, das mit rund hundert Exponaten in einer groß angelegten Retrospektive im Panorama Museum Bad Frankenhausen vorgestellt wird. Der vielseitige Künstler, 1902 bei Dresden geboren und 2004 in Gütersloh verstorben, studierte ab 1922 an der Staatlichen Akademie für Kunstgewerbe in Dresden Malerei bei Carl Rade und wirkte ab 1928 selbst als Lehrer an einer privaten Akademie für Zeichnen und Malen. Nach Kriegseinsatz und Gefangenschaft in Norwegen kehrte Winkler 1947 nach Deutschland zurück und ließ sich bald darauf in der Nähe von Gütersloh nieder. Als Künstler, der sich keiner eindeutigen Richtung zuordnen ließ und seinen eigenen Weg ging, musste Winkler lange auf den Erfolg warten. Erst über den Umweg über Frankreich, wo Winkler in den sechziger Jahren breite Anerkennung zuteilwurde, wurde er auch in Deutschland entdeckt.

Aus der Dresdener Studienzeit stammen Gemälde, die der Neuen Sachlichkeit nahestehen, während sich in den Zeichnungen bereits surreale und fantastische Tendenzen finden lassen, die Winklers Werk ab 1947 bestimmen werden. Vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Kunstpolitik nahm Winkler die begonnenen Experimente mit Vorgefundenem, Zufälligen in den dreißiger Jahren zugunsten einer spätimpressionistisch und realistisch beeinflussten Malweise zurück, was ihn vor dem Vorwurf der „Entartung“ aber nicht bewahrte. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland entstand in der ländlichen Isolation in Westfalen und bei Auslandsaufenthalten in Frankreich, Spanien, Italien und den USA sein Hauptwerk, unzählige Zeichnungen, Druckgrafiken, Gemälde, Plastiken, Collagen und Assemblagen, die in ihrer Gesamtheit jegliche Einordnung verweigern. So bewegte sich Winkler in seinem Spiel mit Gefundenem, dem Zufall, zwischen Surrealismus, Informel, Barock, Romantik und der fantastischen Kunst. Von Fundstücken ausgehend kreierte er eigene Welten, mal mehr, mal weniger dem Gegenstand verpflichtet. Farbflächen schrauben sich in Gezeichnetes, Zeitungsausschnitte wechseln sich ab mit erfundenen Gestalten, Tieren, Menschen, Pflanzen. Stofffetzen werden zu konstitutiven Elementen, Puppenarme ragen aus dem Bild, Baumwurzeln werden zur Skulptur. Die Trauer über die politisch bedingte Trennung von Dresden wechselt sich ab mit heiteren Bildern, der Tod steht neben dem schreiend bunten Leben, morbide Gebilde schockieren und immer wieder blickt der Schalk um die Ecke.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten unter anderem von Sepp Hiekisch-Picard, Gerd Lindner und Michael Nungesser.

Woldemar Winkler
… und ein Morgen wird nicht mehr sein, 1966
Woldemar Winkler
Hommage à Bosch, 1981
Woldemar Winkler
Schattenströme aus dunklen Weltkulissen, 1979
Woldemar Winkler
Wenn eine Tür sich schließt, tut eine andere sich auf, 1987
Woldemar Winkler
Bühne des großen Scharlatans, 1968
Woldemar Winkler
Gezielter Beschuss auf deine Augen, 1980
Woldemar Winkler
Ohne Titel, 1955
Woldemar Winkler
Zwischen zwei Bewusstseinsschichten, 1980
Woldemar Winkler
Bedrohliche Chimäre, 1973-76
Woldemar Winkler
Zerstampfende Macht, 1965